9. Juni 2013
Es geht in diesem Evangelium nicht um eine traurige Geschichte mit Happy-End. Es ist eine Geschichte, die uns die herausfordernde Frage stellt, wie wir, Sie und ich, zu diesem Jesus stehen und wie weit unser Vertrauen zu ihm reicht.
Erinnern Sie sich an das Evangelium vom letzten Sonntag, wo ein römischer Offizier Jesus für seinen Knecht um Hilfe bittet und sagt: „Ein Wort von dir genügt.“? Im Grunde genommen geht es in der jetzigen Erzählung um das gleiche Thema, aber es gibt da eine große Steigerung: Hier geht es nicht um die Heilung eines Kranken, sondern um den Tod eines jungen Mannes. Es ist eine ganz dramatische Geschichte: Der Tote ist der einzige Sohn einer Witwe, d.h. sie hat nicht nur ihren Sohn verloren, sondern in der damaligen Gesellschaft war er für sie, als Witwe, der einzige, der für ihre Existenz garantieren konnte. Es gab sonst keine soziale Absicherung, und eine Frau allein war verloren. Jesus hat Mitleid mit ihr.
Auch in diesem Fall stellt sich heraus: Ein machtvolles Befehlswort von Jesus genügt: „Du, junger Mann, ich befehle dir, steh auf!“ Was hier geschieht und was der Evangelist Lukas hier durch eine sehr anschauliche, dramatische Szene schildert, wird uns im Evangelium von Johannes auf eine andere Weise erzählt. Hier hält Jesus eine Rede über seine Vollmacht und sagt über sich selbst: „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht. Was nämlich der Vater tut, das tut in gleicher Weise der Sohn. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will. Ich sage euch: Die Stunde kommt und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben.“
In Jesus ist Gottes Macht, die Tote auferstehen lässt, wirksam. In Jesus zeigt sich Gott als einer, der das letzte Wort hat, auch über den Tod. Er ist ein Gott des Lebens.
Und wie reagiert das Volk, das Zeuge ist von diesem Geschehen? Es sagt: „Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen.“
Das scheint die Sichtweise der frühen Christen gewesen zu sein. So sehen sie Jesus, denn sie kennen ja aus ihrer Bibel (dem Alten Testament) die Erzählung vom Propheten Elija (wir haben sie in der ersten Lesung gehört).
Auch vom Propheten Elija hören wir, dass er, mit Gottes Hilfe, das Leben eines Menschen erneuert. Die Witwe, deren Sohn wieder lebt, bringt es auf den Punkt, wenn sie über Elija sagt: "Jetzt weiß ich, dass du ein Mann Gottes bist und dass das Wort des Herrn wirklich in deinem Mund ist."
Wie im Propheten Elija wirkt Gott in Jesus. Aber Jesus ist mehr, ist größer. Er braucht keine umständliche Vorgangsweise wie Elija, der sich dreimal auf den Leichnam des Kindes legt und dabei Gott anfleht: »Herr, mein Gott, lass doch sein Leben wiederkommen!«. Bei Jesus ist es anders: Ein Wort von ihm genügt. Er spricht im eigenen Namen: „Junger Mann, ich befehle dir.“ Jesus ist mehr als der Prophet Elija.
So haben die ersten Christen Jesus gesehen. Das war er für sie. Und sie richten ihre Botschaft an uns: „Glaubt ihr an diesen Jesus?“
Das ist eine herausfordernde Frage. Glauben wir Jesus, wenn er behauptet, Gott selbst ist in ihm wirksam, in und durch ihn zeigt Gott, dass er Macht hat über den Tod, dass er dafür sorgen wird, dass wir leben werden? Es ist die direkte Frage an Sie und an mich: Hast du Vertrauen zu diesem Jesus? Wenn ja: Kannst du dann nicht aufatmen, befreit und in Gelassenheit leben? Was auch geschieht: Gott will, dass du endgültig lebst. In diesem Vertrauen zu Gott und zu Jesus geht es um Leben oder Tod.